Ausstellung

Die große Mittelalter-Ausstellung zeigt die Glanzzeit der Kaiser und die Säulen ihrer Macht mit herausragenden europäischen Leihgaben und beeindruckenden Beispielen aus den Beständen der GDKE-Direktionen. Einzigartige Zeugnisse lassen die Kraft und das Charisma der kaiserlichen Autorität erahnen. Wunderbare Buchmalereien und kostbare Gewänder werden zu sehen sein, genauso wie die kaiserlichen und bischöflichen Insignien der Macht.

Große Adlerfibel © GDKE

Große Adlerfibel © GDKE, Direktion Landesmuseum Mainz

Europa, das Zentrum des Reiches am Rhein und die Größe des Reiches

Am Weihnachtstag im Jahre 800 n. Chr. ließ sich Karl der Große in der Heiligen Stadt Rom zum ersten Kaiser des Mittelalters krönen. Er wurde Schutzherr für weite Teile Europas und begründete zugleich eine neue europäische Ordnung, die über viele Jahrhunderte sowohl die Politik als auch das gesellschaftliche Leben bestimmte.

Allgemein wird immer wieder Aachen mit Karl dem Großen verbunden, aber tatsächlich konzentrierte er das herrschaftliche Zentrum seiner Macht lange Zeit in der Region zwischen Ingelheim und Worms. Aachen, wo er seinen Lebensabend verbrachte, spielte erst später eine größere Rolle in Karls Leben, der schon damals als Vater Europas bezeichnet wurde. Während in Ingelheim die einzigartige kaiserliche Pfalz entstand, avancierte Mainz zum kirchlichen Mittelpunkt in der östlichen Reichshälfte. Es ist, wie der Chronist Otto von Freising schon im 12. Jahrhundert feststellte, der Raum, in dem die „größte Kraft des Reiches“ lag.

Kapitularien-Handschrift mit ältester Darstellung Karls des Großen © St. Paul im Lavanttal, Benediktinerstift, Foto: Gerfried Sitar

Kapitularien-Handschrift mit ältester Darstellung Karls des Großen © St. Paul im Lavanttal, Benediktinerstift, Foto: Gerfried Sitar

Die Königsmacher, die Dome in Mainz und die Rituale der Macht

Der Kaiser galt damals als Schutzherr großer Teile Europas und der Christenheit – in Szene gesetzt durch die kirchliche Salbung. Die Mainzer Erzbischöfe waren es, die das Recht auf Salbung der Könige und damit der künftigen Kaiser für sich beanspruchten – vorgenommen im Alten Dom zu Mainz. Hier fanden die Königskrönungen von 1002 und von 1024 statt, weitere (1077, 1198 und 1212) folgten im neuen Dom. Mainz wurde in der Ära des Erzbischofs Willigis zur „Goldenen Stadt“ (aurea Moguntia). Von Papst Benedikt VII. erhielt er die Vormachtstellung über alle anderen Bischöfe in kirchlichen Dingen, was Willigis zum zweiten Mann nach dem Papst machte. Die mächtigen Bischöfe stiegen zu wichtigen Stützen der Kaiser auf und wurden die Säulen des Reichs und der kaiserlichen Macht.

Krönungsbild Regensburger Sakramentar ©

 

Sakramentar Heinrichs II. ©München, Bayrische Staatsbibliothek, Clm 4456, fol. 11r (CC BY-NC-SA 4.0)

Fürsten, Städte und die Geburt der SchUM-Gemeinden

Über die Zeit der Karolinger, der Ottonen, der Salier und der Staufer waren aus den bischöflichen Zentren kraftvolle Stadtkommunen geworden. Handwerker, Händler und Kaufleute entwickelten neue Formen der gesellschaftlichen und politischen Organisation. Viele Städte am Rhein erhielten Freiheitsprivilegien durch Kaiser, Könige und ihre bischöflichen Herren. Die jüdischen Gemeinden spielten bei diesem Prozess eine herausragende Rolle. In Speyer, Worms und Mainz entwickelten sich in ganz Europa hoch angesehene Talmudschulen. Unter dem Namen „SchUM“ (SCHpira, Uormatia und Magenza) wurden die drei Städte im aschkenasischen Judentum zur höchsten Autorität in religiös-kultischen und rechtlichen Fragen. Speyer, Worms und Mainz galten über Jahrhunderte mit ihren jüdischen Zentren als „Wiege der Gelehrsamkeit“. Die jüdischen Gemeinden errichteten hier Synagogen und Mikwen, die für Mittel- und Osteuropa richtungsweisend wurden.

Fürsten, Ritter und die Neuordnung des Reiches

Als im 12. Jahrhundert die Autorität der Kaiser zu schwinden begann, versuchte Friedrich Barbarossa den alten Glanz noch einmal neu zu beleben. Auf dem berühmten Pfingsthoftag in Mainz im Jahre 1184 setzte er sich an die Spitze der neuen höfischen Bewegung: Farbigkeit, Lebensfreude, Ritterkult und Minnedienst bestimmten das Lebensgefühl.Doch längst waren die Kaiser – seit dem „Gang nach Canossa“ von Heinrich IV. (1077) und der Unterwerfung Barbarossas 1177 – entscheidend geschwächt. Eine neue Welt zog herauf, die Zeit der Städte und vor allem der Fürsten.

Der letzte Staufer, Ketzer und Größter unter den Fürsten der Erde

Friedrich II., der letzte Staufer, musste den Reichsfürsten zahlreiche Zugeständnisse machen. Im August 1235 beschlossen Friedrich und seine Fürsten während eines prächtigen Hoftages in Mainz den „Mainzer Landfrieden“.Er brachte eine Neustrukturierung des Hofgerichts, an dessen Spitze erstmals ein Hofrichter von freiem Stand gesetzt wurde.

Die päpstliche Propaganda verteufelte Friedrich später unter anderem als Kirchenverfolger und Ketzer. Bei seinen Anhängern galt Friedrich hingegen als „Größter unter den Fürsten der Erde“. Der Staufer Friedrich II. geht als letzter Vertreter der deutschen Kaiserherrlichkeit in die Geschichte ein. Es begann eine neue Ära mit der Vorherrschaft der Kurfürsten und Fürsten in vielen kleinen Territorien, dies war zugleich die Grundlage des Föderalismus mit sichtbaren Zeichen der neuen städtischen Lebens- und Gesellschaftsordnung, die am Beginn unserer demokratischen Entwicklung stehen.